donnerstag 1.2.07

murx ihn, murx ihn, murx ihn ab den europäer 
eine theateraufführung von christoph marthaler in der volksbüne gesehen und ich habe mich grossartig unterhalten.
die volksbühne selbst ist ein recht gut erhaltener bau aus der jahrhundertwende, die monumentale deckenlampe und die grosszügige rundung des gebäudes passten gut zu dem patriotischen abend.
die kulisse, absoluter mief, der geruch von kohleöfen hielt sich in der nase fest, die viebrierenden töne eines überhitzten ofens waren leise und perfekt zu hören. die monotonie der wiederholungen machte das ganze so intensiv, es war zum zerplatzen.
der applaus war dann die reaktion, oder endlich die explosion. 
zweieinhalb stunden wenig gesprochen, doch das was gesprochen wurde umso
eindrücklicher. 
„ein fremder in einer fremden stadt, fragte einen fremden nach einer fremden strasse.
der fremde sagte, die strasse sei ihm fremd, er sei ein fremder in der fremden stadt“
oder
„die menschen auf erden sind ordentlich, im himmel ist ordnung“
oder
„warum hast du den hund vergiftet? ich habe ihn nicht vergiftet!
wenn du ihn nicht vergiftet hättest, hätten wir jetzt noch einen hund“ 

freitag 2.2.07

im berggruen museum.
das museum liegt gleich gegenüber vom schloss charlottenburg
die meisten bilder sind von picasso und klee, einige von matisse.
hunderte von büchern existieren in der angrenzenden buchhandlung, also unterlasse ich es, mich als laie über picasso zu äussern. 
mir persönlich hat das bild „dora maar mit grünen fingernägeln“ sehr gefallen, überhaupt finde ich, hat er keine frau vor ihr und nach ihr so vorteilhaft gemalen wie dora maar.
die versiegelte frau von klee hätte ich ebenfalls sehr gerne nach hause mitgenommen.
solche besuche reissen mich immer in einen vulkan von gefühlen, bin anschliessend erschöpft, als ob ich körperlich streng gearbeitet hätte.
ein kleines intermezzo im zusammenhang mit dem museum. wir waren kurz vor 14h an der kasse. mit einer kleinen erschrockenheit stellte ich fest, dass wir die einzigen besucher waren. vielleicht haben wir die öffnungszeiten falsch gelesen.
weit gefehlt.
die öffnungszeiten waren von 10h-18h 
kaum aber waren unsere billette gelöst, kamen dann jede menge leute.
als wir später die mäntel abholten, sahen wir an der kasse eine tafel.
jeden donnerstag ab 14h freier eintritt. 

samstag 3.2.07

auf dem neuen kalenderblatt vom februar schaut mein enkel till diesen monat mir beim schreiben zu.
es zeigt ihn als harlekin. 
durch sein weissgeschminktes gesicht ziehen blätterlose, zarte äste. der blick ist entrückt und doch scheint mir, es liege ein anflug von einem leicht spöttischen zug um seinen mund. diese art blick kenne ich so nicht bei ihm. aber wie sollte ich alle „blicke“ meines enkels kennen, wenn man einander wochenlang nicht sieht und überhaupt, wie könnte ich so anmassend sein und mir alle seine „blicke“ als mein eigentum oder als schon gesehen wünschen 
ich weiss, dass er mich keineswegs mehr braucht, was schmerzt und doch gut ist. 

sonntag 4.2.07

geträumt von einem hochsitz, der so hoch war wie der eifelturm. jemand schrie mir von oben zu, dass ich doch zuschauen solle, wie sie nun mit höchstgeschwindigkeit hinunterrasen werden. mein magen wurde zum klumpen, die augen verengten sich, die schreie von oben kamen näher und näher, ich hielt die ohren zu. 
es kam niemand aus dem turm, es war totenstille. 

am prenzlauer berg. gemüsemarkt. sehr viele leute und wie mir schien ebenso viele, von jungen vätern gestossene buggys. der kinderspielplatz beim käthe kollwitz denkmal war über- und übervoll mit spielenden, lachenden und weinenden kleinkindern. die mütter schwatzten, rannten, trösteten und schimpften, väter sassen auf der mauer lasen zeitung oder wippten den kinderwagen, oder auch beides gleichzeitig. 

montag 5.2.07

gestern abend am kurfürstendamm. die gedächtniskirche ganz wenig beleuchtet, gerade so, dass die tragik dieses gebäudes zum ausdruck kommen konnte. 
die dunklen grossen löcher geben der kirche etwas bedrohliches, fressendes und zugleich abstossendes. das goldig beleuchtete zifferblatt deute ich als hoffnungsschimmer der gegenwart.
bei schönster nächtlicher aussicht etwas gegessen. das leben auf dem platz gab mir den eindruck, irgendwo in einem mediterranen land zu sein. es roch nach zukunft, wärme, zuckerwatte und gebratenem fisch. 
auf dem heimweg spielte der vollmond sein nächliches spiel. er benahm sich wie eine tänzerin. mal verhüllte er sich mit dem luftigen weissen, fast durchsichtigem wolkenkleid, dann wieder zeigte er ein winziger blick lang, sein lächelndes antlitz und irgendwann, als genug getanzt war kam er mit einem pompösen soloauftritt auf den berliner nacht himmel.
vor dem tacheles komplex standen hunderte von wartenden nachtmenschen. die mitternacht vorstellung hatte noch nicht begonnen. 
in der augusstrasse waren die lokale gefüllt, welche während des tages ein ruhiges, einsames dahinträumen leben und in tiefster nacht erst aufwachen. kleine rinnsäle liefen auf den angelaufenen festerscheiben hinunter, durch diese dünnen rinnstrassen konnte ich die menschen sehen, die sich in dieser enge nicht mehr drehen und wenden konnten. 
zusammen-ge-hörig-keits-gefühl.