montag 1.1.07

stehe seit tagen zwischen büchsen, kleider und andern neben-sächlichkeiten. wusste gar nicht, wie viele dieser scheinbar unwichtigen dingen wichtig sind. sie türmen sich zu bergen die kleinigkeiten und ergeben zusammen eben diese berge, welche ich übermorgen verlassen werde.

dienstag 2.1.07

es müssen schuhe mit, welche in berlin nie getragen werden, aber zu meinem jetzigen seelenheil wichtig sind.
das kleine auto ist zum allesfresser geworden.
büchsen, koffern, computer, laptop und eine unmenge kabel. ob ich dann in berlin noch weiss, wo was eingsteckt werden muss.
eine kleinere technische voraussetzung müsste vorhanden sein, ansonsten wird es tage dauern bis ich mit der welt wieder verbunden sein werde. 

mittwoch 3.1.07

startbereit.
bin nun sehr froh, dass es so weit ist, denn die vielen abschiede sind mit schmerzen verbunden.
ab morgen gibt es nur noch begrüssungen, welcher art auch immer.
neue landschaften, menschen, stimmen, geräusche, gerüche und so fort. 
jede stunde ist mit neuem verbunden.
die alte gwunderigkeit ist zurückgekehrt, glaubte schon fast nicht mehr daran, denn letzte woche schien mir vieles über den kopf zu wachsen.
jetzt hat dieses viele den kopf verlassen, er ist frei geworden für das jetzt.

donnerstag 4.1.07

strecker raus und tschüss.
bis bald aus berlin! 

samstag 6.1.07

letztes jahr trug ich an diesem tag eine krone, dieses jahr türmen sich stadtpläne im kopf.
am 4.1. fahrt bis jena, da möchte ich nochmals hin zwischen all den tagen.
auch lutherstadt wittenberg besucht und hat grossen eindruck hinterlassen.
sieht immer noch aus wie zur ddr zeit. eng aneinader gebaute häuschen, sehr breite trottoir und trotzdem scheinen die menschen diese trottoir zu meiden.
anschliessend gut und ohne zwischenfälle in berlin angekommen. selbstsicher und routiniert steuerte mein mann unser vollbeladenes auto nach berlin in die auguststrasse. 
während der fahrt durch die stadt wurde es mir enger und enger. ich war sogar ausser atem, auch wenn ich keine körperlichen anstrengungen verrichten musste.
ich wurde erst wieder ruhiger, als die körperliche anstrengung tatsache wurde, denn unser neues domizil liegt 80 treppenstufen über der auguststrasse. 
hell und aussichtsreich präsentieren sich die räume.
inzwischen habe ich mich wieder mit der welt verkabelt, bin weiterhin gespannt auf all das neue, fremde. 

sonntag 7.1.07

stiller sonntag.
drei stunden durch die gegend gelaufen, suchte mir eine auslaufmöglichkeit, welche mich nicht ins verderben führt.
bin nicht so sicher, wie sicher ich mich in diesen häuserreihen in den nächsten tagen bewege.
atme anders, wenn der fernsehturm sichtbar ist. 

montag 8.1.07

aussicht von heute bis zum nächsten bild

dienstag 9.1.07

mein computer streikt, kann ich verstehen bei all dem kabelgnusch von umhängen, umstellen, doch mein verständnis hilft mir in diesem fall nicht weiter. morgen kommt ein echter berliner, der hier ordnung schafft, wenn ich es nicht schaffe.
heute im gropius bau, rebecca horn ausstellung besucht. war anfänglich ganz erschlagen, doch die räumliche entfernung lässt einiges verblassen, was jeweils kein gutes zeichen ist für mich. beindruckt aber hat mich der goldene stab, der ganz liebevoll über den mit asche bestreuten spiegel streicht und auf der seite ein klagendes cello, selbstverständlich vollautomatisch. 
hat mich echt berührt, die töne wirkten so hilflos und traurig in dem riesigen saal. 
vielleicht sollte ich es mit der ausstellung ein zweites mal versuchen, jedoch die vielen plätze hier in berlin, mit den dunkel gekleideten menschen interessieren mich im moment mehr. so überlasse ich rebecca horn den museen und ich widme mich dem nicht automatischen zu. 
ich nahm im rucksack einige büchsen mit, wollte nach der ausstellung versuche machen. doch die versuche sind misslungen. muss die zeit anders einteilen. 

mittwoch 10.1.07

meine nachbarn, wenn wir am esstisch sitzen

donnerstag 11.1.07

man glaubt es nicht, gestern war es 13 grad warm und das am 10 januar. 
der wind aber rüttelt an meinen büchsen, er bläst durch den dicksten mantel und lässt einem die 13 grad wärme schnell vergessen.
habe die ersten fotografischen schritte ausserhalb der wohnung unternommen, doch musste ich wegen dem wind wieder abbrechen. 
wir liefen zum kurfürstendamm. moderne geschäfte, banken, auch vereinzelt elegante menschen.
ich begegnete der markanten gedächtniskirche mit den kriegsspuren und zugleich dem spürbaren willen zerstörtes zu ersetzen. dieses gefühl begegnet mir an jeder strasse, auf allen plätzen.
am abend, das heisst nach 16h (es ist bereits nacht) lief ich der spree entlang, verkehrsfrei und menschenleer, im wasser spiegelte sich das bode museum, pergamon museum, das alte museum in welchem der schönsten ägypterin „unterschlupf“ gewährt wird, bis das neue museum 2009 wieder eröffnet wird.
wollte noch den dom besuchen, doch er war geschlossen, aus was für gründen auch immer. 
die gebäude tanzten im wasser und es ist für mich schön zu wissen, dass es solche oasen gibt.
erst eine woche vom gelben haus, freunden und alltag weg, kommt mir jedoch viel, viel länger vor. 
neue wohnung, neuer himmel, neue sichten, alles ging und geht immer noch sehr schnell. ich weiss, dass das tempo der letzten tage nicht mein tempo ist, doch um sich einzurichten ist der faktor tempo nicht schlecht. 

freitag 12.1.07

schwere träume, aber meine träume waren in den letzten jahren selten leichter natur. 
wenn ich nachts erwache, sehe ich die beleuchtete kuppel der synagoge. in der dunkelheit wirkt sie quartier- ja stadtbeschützend. 
manchmal lese ich eine weile, meistens aber weilen meine halbwachen augen auf der kuppel, (vermutlich sogar wenn ich schlafe.)
ich staune, wie schnell sich ein fremdes bild als vertraut einprägt. es wäre eigenartig aufzuwachen und die kuppel wäre lichtlos. 

grosser morgenspaziergang gemacht.
sophienstrasse,vorbei an der gedenkstätte eines jüdischen friedhofes. dunkle, ausdruckstarke figuren am eingang, welche mich an die traurigen bilder von filmen erinnerte, wo ganze familienin den tod getrieben wurden.
grosse hamburgestrasse, hacksche höfe, wieder an der spree entlang zu der museumsinsel. bei tageslicht sehen die monumentalen museen ganz anders aus, fast abweisend. 
der dom immer noch geschlossen.
zurück an die friedrichstrasse, suchte eine bäckerei, landete aber in einem vierstöckigen glaspalast, alles eine einzige galerie. auf jeder etage zeigen künstler ihre arbeiten.beeindruckend war für mich ein simbabwesischer bildhauer. frauen mit kleinen köpfen und dicken körpern. sie umfingen mit ihren händen ihre ausgefüllten kleiderfalten. andere hielten ihre kinder, die aus mehrschichtigen röchsäumen in die welt schauten.
keck die einen, fragend oder ängstlich die andern. die enorme fülle dieser wunderschönen figuren symbolisiert für mich die erde, die kinder an ihren rocksäumen, das könnte ich oder du oder auch mein nachbar sein.

samstag 13.1.07

computerturbulenzen, schon wieder...
der überaus nette, zuverlässige und schnellsprechende berliner, stellte in kürze alles wieder in arbeitsfähigen zustand.
der wind wird immer intensiver. die haare fliegen um mein gesicht, eine frisur zu haben das war einmal. 
zu hause aber kleben dann die fliegenden fäden wie beton auf dem kopf.

im kino. an der kinokasse warf die kassiererin ein minimster blick mir zu und sagte „rentner, fünf euro fünfzig“! dabei erreiche ich das rentenalter doch wirklich erst in dreieinhalb wochen.
“die grosse stille“ gesehen und erlebt. die jeden tag wiederholenden abläufe von beten und meditieren scheint mir wie aus einem andern Leben. vertraut und fremd gleichzeitig. 

sonntag 14.1.07

schritt für schritt den
vollen 
koffer wegschieben
bis die schritte erlahmen
und
der koffer unwichtig wird

montag 15.1.07

grosser lärm am samstagabend an der auguststrasse, die vielen vernissagen dauern hier etwas länger als im „tschächli“. 
tausend dinge arbeiteten wie tüchtige ameisen in meinen kopf, doch bei tageslicht wurden diese aktiven nacht-dinge unwichtig und verliessen mein geplagtes hirn. 
am samstag im ka-de we, das sogenannte kaufhaus des westens.es hätte kurz vor weihnachten sein können. die zweispurigen rolltreppen transpotrierten menschenmassen hinauf und hinunter, in den einkaufsregalen wird nur das beste präsentiert. 
es gibt unzählige schlemmeroasen, jede spezialisiert. die köche sind jung und immer lächelnd braten sie dir ein kleines fischchen oder an der nächsten theke ein grosses stück filet, wenn dein magen aber nach würsten ruft stehen einige hundert zur auswahl. 
ach die würste, sie liegen scharenweise nebeneinander, aufgetürmt übereinander wie mehlsäcke. 
wer will denn schon mehlsäcke essen.
unzählige schockoladensorten sind vertreten, unser glarner läderach hat sogar einen eigenen laden.seine pralines präsentieren sich deutsch, das heisst sehr gross, also ganz anders als in glarus. 


gestern sonntag war endlich etwas besseres wetter, wir beschlossen an die elbe zu fahren.
im auto sämtliche büchsen, im kopf noch mehr bilder, so reisten wir gegen süden. 
in der lutherstadt wittenberg, welche wir ja schon auf der hinreise kurz angesehen haben, begann meine arbeit. der wind aber liess keine experimente zu, aber auch sonst nichts. ich musste aufpassen, dass ich noch auf der erde bleiben durfte. 
so entschieden wir uns, dem berühmten martin luther einen besuch abzustatten. 
im spätgotischen dom fühlte ich mich total gelöst. solche orte der stille gibt es viel zu wenige. 
auch das lutherhaus war beeindruckend, liess sogar den wind draussen, obschon im 14,jahrhundert erstellt und es informierte mich ausführlich über die unarten und arten dieses mannes.
kurz nochmals zurück an die elbe. das licht inzwischen leider zusmmengebrochen, die melancholie aber, der ruhige zauber verstärkte sich mit dem fehlenden licht. 

dienstag 16.1.07

arbeitstag 

mittwoch 17.1.07

gestern abend besuch aus der nachbarschaft. 
mit loredana sperini (ebenfalls stipendiatin der zuger kulturstiftung landis und gyr ) und ihrem freund christoph verbrachten wir einen angeregten abend. christoph wird ende woche wieder in die schweiz zurückreisen, loredana will sich dann in die arbeit stürzen. ich stürze mich seit dem 6.januar jeden tag auf arbeit jedoch das resultat ist verwirrend kreuz und quer.
die reduktion auf ein thema ist mir noch nicht gelungen.


im jüdischen museum.
einzigartige architektur, raubte mir von aussen schon fast der atem. ein zickzackförmiger bau von daniel libeskind. 
es gibt unregelmässige sehschlitze in diversen längen und manchmal auch schwindelerregende abgründe, zum beispiel der hof mit den 10'000 gesichtern. da starren einem metallscheiben mit weit aufgerissenen augen und mündern entgegen und die länge dieser grossartigen installation zeigt die gewaltige schrecklichkeit.
oder der holocaust turm! kälte kriecht in sekundenschnelle tief in die knochen, anfänglich schwarze nacht, erst allmählich, hoch oben ein schmaler streifen licht. draussen höre ich die welt. 

hoch namenlos 
eng
der verbliebene rest
die tage
verloren in den augen 
gefrorene kälte
messerlicht
im dunkel
freiheitsgeräusche

donnerstag 18.1.07

relativ früh weg, besuch des deutschen bundestages mit der kuppel. 
fragte auf dem tacheles areal einen mann, der den liegengebliebene abfall entsorgte, ob ich ihn fotografieren dürfe. klar dürfe ich, er sei der platzmanager hier, sagte er selbstbewusst.
ich beneidete ihn.
bevor wir zur kuppel durften, mussten wir uns einer leibesvisitation unterziehen. mantel abgeben, büchsen aufs band legen, sowie schlüssel, geld und geist. 
ich hatte bedenken, dass das belichtete material schaden nehmen könnte.
oben war die rundsicht wunderschön. wenn das wetter schön gewesen wäre, ja dann halt noch schöner. 
die menschen, so schien es mir, bewegten sich wie murmeln auf einer grossen kugelbahn. sie drehten sich kreisförmig und man wusste gar nicht wer hinauf oder wer hinunter ging.
ein schönes spiel in einem regierungsgebäude. ob das absicht sein könnte! 

freitag 19.1.07

vor zwei wochen in berlin angekommen

der sturm gestern hat mich recht irritiert. es blitzte und donnerte, als ob es sommer wäre. was hätten wohl die muotathaler wetterfrösche zu diesem aussergewöhnlichem zustand zu sagen.
ich las dann, dass der sturm „kyrill„ heisst und das erstaunte mich gleich nochmals. bis anhin meinte ich, dass die tiefs immer frauennamen hätten und die hochs dem männlichen teil zugesproche werden.
nun, seit 1999 sei das anders, hiess es weiter. offensichtlich nach grösseren protesten. jetzt erhalten in ungeraden jahren die stürme männliche namen und die hochs weibliche. 
dieses jahr der ungeraden zahl, werden wir weiblichen wesen wohl oder übel, sich mit solchen männlichen stürmen wie heute auseinandersetzen müssen.

danke michaela! 

samstag 20.1.07

gestern, gegen abend im alten postfuhramt die ausstelung von karl lagerfeld angschaut, „one man shown“. 
portrait über portrait ! 
früher lebten da 270 pferde samt kutschen und kutscher und von diesem platz aus wurde die post in berlin verteilt. jetzt wird der renovationsbedürftige, aber immer noch sehr schöne bau vorübergehend für aussstellungen benutzt. 
im moment beherbergt er 270 gesichter des models brad kroenig. 270 mal derselbe mann!
einmal mehr war ich mit den büchsen unterwegs. es begegnete mir ein herzförmiger luftballon sehr rot, sehr einsam. der wind jagte dieses geschundene herz zwischen plattenbauten und hochhäuser, niemand kümmerte sich um die fliegende herzform. sehr bald entschwand er auch meinen blicken.
der regen wurde recht intensiv, meine geduld aggressiv, nur eine heisse, süsse schockolade konnte die psyche ein paar minuten lang etwas aufmuntern. 

sonntag 21.1.07

unwichtiges reduziert 
destilliert der rest 
keine tropfen auch nicht tränen
und 
morgen 
gelbe sonnensträucher 
weisse vögel
kreisen
am einsamen gewässer
innen ruhe auch vor den augen 
wenn der tag anbricht 
mit 
sonne hinter den fenstern
schatten 
schutz vor vielem 
hoffen 
das blaue vom himmel 
fusschritte zügig 
die 
vergangenheit in der 
reisetasche 
der alten 

montag 22.1.07

müde augen vom sehen, dann empfinde ich das einbiegen in die auguststrasse als ein paradies der erholung.
draussen lassen alle bilder, heimkehren in ein umfeld, wo das auge sich am gewohnten, vertrauten ausruhen kann und die erlebtan bilder langsam aus dem winkel verschwinden. 
am potsdammerplatz einige fotos gemacht. es ist schwierig die wolkenkratzer von berlin in die büchsen zu bekommen.
ich versuche mich dann vom boden aus zu orientieren, die perspektive zu erfassen und sie ist gar nicht so übel diese ungewohnte perspektive.
zwischen steilen, spitzigen glasfronten, rassant vorbei ziehende wolkengebilde erhaschen. der dicke wolkenmann mit der übergrossen nase, gefolgt von einem zierlichen engel fand ich besonders reizvoll, oder sogar einen einzigen winzigen vogel. nur vermute ich, vögel fliegen hier nicht lange, die spiegelflächen lassen sie kaum am leben. 

dienstag 23.1.07

wieso ist das berliner brot leicht säuerlich
muss dem nächstens auf den grund gehen. es gibt von schneeweiss bis dunkelbraun alle arten und formen. 
grosse packete geschittene brotscheiben, eingepackt in zellophan, verschiedenste brötchen, sehr viel laugengebäck aber auch riesige brotlaibe, ebenfalls in jeder farbe von weiss-dunkelbraun sind zu haben 
heute kaufte ich mir eine baguette weil ich die säuerliche note nicht mehr ertragen konnte, jedoch ich hätte es wissen müssen, wir sind nicht in frankreich. 
verfolgt von dieser säure, ging ich gleich nach dem frühstück in den nächsten quartierladen, kaufte ein kilo weissmehl, ein würfel hefe und zu hause machte ich dann die übliche prozedere zum herstellen eines zopfteiges. 
nach kurzem knetten sah der teig aus wie der teig im gelben haus, doch als ich ihn backen wollte, fehlte der pinsel, um das eigelb über den zopf zu verteilen.
ich verstrich das gelbe mit den händen.
der duft der durch die wohnung strömte, er war wie damals, er war wie letzthin.
er war vertraut der duft 
als ich den zopf aus dem ofen nahm dachte ich, dass vielleicht das mehl säuerlich sein könnte. doch dem war nicht so, es war nur einfach dunkler und anders. 
wie alles in berlin.

mittwoch 24.1.07

hinauf zur siegesäule, ca 300 treppen, (fast wie auf den rautispitz was das schnaufen betrifft). das gesicht dieser dame wollte ich aus nächster nähe sehen, doch sie verweigerte es mir. sie liess mich zwar unter ihren mantel schauen, aber auch nicht richtig, ich durfte ihr siegeskranz betrachten, denn der schwenkt sie fast überheblich monumental, sie liess mich den kältesten wind von berlin fühlen, doch ihre mimik zeigte sie mir nicht, sie gab mir einfach nach 300 treppenstufen das gefühl der winzigkeit. 

donnerstag 25.1.07

schnee. 
vorhänge zu
ausbleibende töne 
berlin schläft
ich bin unruhig

gestern nachmittag auf der deutschen bank. mein mann wollte ein konto eröffnen. es dauerte und dauerte, auch wenn mengenmässig der einzubezahlende betrag kaum der rede wert war überhaupt ein konto zu eröffnen. 
gleichwohl, die schwere eines solchen aktes erforderte eine immense geduld. 
bestimmt wäre es bedeutend einfacher und schneller gewesen, wenn das millonenfache einbezahlt worden wäre. 

an der gedächtniskirche eine spezielle begegnung. 
eine ältere dame, verpackt in mantel und umgehängten plakaten, informierte die vorbeiziehenden und nicht interessierten menschen über das elend der kinder in der welt und dass das nicht zu ändern sei, solange es so dumme mütter gebe. 
nach anfänglichen kommunikationsproblemen durfte ich sie fotografieren. sie überforderte zwar meine schnelligkeit erheblich, doch am ende teilte sie mir mit, dass sie jeden tag zwei gute begegnungen habe.
die eine heute, mit mir. 

freitag 26.1.07

ich höre das flehen
der
jungen frau
ihre stimme klebt an meinem haar
ich wage nicht mehr mich zu kämmen

eine einstündge performance „es ist geschehen“ besucht, ein projekt von antonia bisig.
schülerinnen und schüler boten am tag des gedenkens an die opfer des nationalsozialismus den zuschauer-hörer eine grossartige darbietung, inhaltlich wie physisch.

antonia bisig ist unsere berlin betreuerin, von der zuger landis und gyr stiftung. sie ist zugerin und lebt seit dreissig jahren in berlin 

samstag 27.1.07

die erste stunde am morgen

augen halb auf 
synagoge
fernsehturm blinkend
entschwindender traum
wolken ganz nah
dem wind zuhören
überlegen welcher wochentag 
geniessen
kaffee vorbereiten 
der duft auskosten
zeitung vom vortag lesen
wach werden
für die nächste stunde 

sonntag 28.1.07

wir ziehen bis sonntag aufs land, sind aber mit der welt verbunden...
oder doch nicht?

sonntag 28.1.07

zurück vom land, respektive von der lüneburger heide.

mein mann erzählt seit jahren immer wieder von dieser mondähnlichen landschaft, die er unbedingt nochmals sehen möchte. diese gegend liege zwar nicht gerade vor der stadt, aber jeder besuch, egal im sommer oder winter sei lohnenswert. 
er schwärmte auch von einem krater, ähnlich wie auf dem kilimandscharo, sprach von 50 grauen oder weissen elefanten, je nach jahreszeit, welche man beim genauen hinschauen sehen könne. also beschlossen wir da hinzufahren und waren voller vorfreude.
je näher wir der gegend kamen, umso mehr bewölkte sich der himmel, es begann intensiv zu schneien, auf der autobahn gings nur noch langsam weiter.
die landstrassen waren noch verschneiter und glitschiger. es war chaos total. 
meine freude wurde immer gedämpfter, sackte in der schneemasse ganz zusammen. endlich sahen wir das schild zu unserem hotel. 
es ging über ein enges, kleines strässchen, rechts und links hohe bäume. ein paar laternen zeigten uns den weg zum gasthof.
es war die welt der feen und geister. 
die wirtsstube kalt und unser zimmer nicht viel anders, beides gar nicht gut für mein strapaziertes innenleben.
ich zog vier schichten pullovers über meinen frierenden körper und anschliessend setzten wir uns, (ich noch zusätzlich mit einem dickem schal versehen) ins restaurant zum essen. ich trank ziemlich schnell zwei deziliter rotwein, ass herrlich zubereitete steinpilze mit goldgelben heidekartoffeln. 
ich kroch relativ schnell wieder aus dem schneeloch hervor und liess mich von der speziellen atmosphäre einlullen.
später füllte der wirt heisses wasser in eine bettflasche und die nacht der feen und elefanten konnte beginnen. 

sonntag 28.1.07

tag zwei.
was für ein tag!
herrlich geschlafen, viel geträumt, strahlender sonnenschein, tiefblauer himmel.
meine innere stabilität festigte sich massiv. 
am morgen trafen wir anne und roger am parkeingang, alte freunde aus der schweiz. wir liefen durch eine winterliche heide zum wilseder berg, 169 meter hoch und sahen in den vermeintlichen krater, wo sich die elefanten tummeln sollten. doch dem war nicht so. die 360 grad sicht entschädigte mich aber voll. heide so weit das auge reicht, wacholderbüsche in allen grössen, tiefgrün, das kraut zwar verblüht und doch sehr faszinierend. eine unbeschreibliche ruhe, eine landschaftliche ausgeglichenheit bis zum horizont.kein haus, kein dorf, keine elektrischen leitungen, nichts, gar nichts, nur stille und weite.
unsagbar schön.
gegen abend ein kontrast, der schmerzen verursachte. 
wir besuchten die kz-gedenkstätte bergen-belsen. in diesem gefangenen- und straflager wurde das unsägliche verbrechen vom zweiten.weltkrieg nochmals in aller deutlichkeit aufgezeigt. 
es fehlen nach wie vor die worte für diese schrecklichen taten.wir gingen still von dannen und unsere fröhlichkeit taute erst wieder beim nachtessen auf.
heute sonntag war reisetag.die dreispurige autobahn führte durch langweilige, monotone landschaften. 
nach fast 300 km freute ich mich wie ein kind, berlin zu sehen. freute mich aber auch, dieses erlebnis erlebt zu haben. 

montag 29.1.07

recht warm heute und recht fröhlich, ich und die menschen.
müde füsse vom langen laufen. auch der rucksack und die tasche bekommen mit den stunden eine anstrengende schwere. konnte einige bilder machen, wollte zwei pausenmachende strassenarbeiter fotografieren, doch sie wollten nicht. 
strassenarbeiter machen auf fotos keine pause.
im jüdischen friedhof. die sonne schien durch die laubfreien, dünnen bäume. es lag eine grosse ruhe auf den vielen umgestürzten, mit efeu und gras überwucherten gräbern.
am prenzlauerberg. strasse um strasse neu renovierter gebäude, was noch nicht ist, ist dabei neu zu werden.
grosse vorgefertigte terrassen werden mit kranen an den fassaden befestigt. hoffentlich für alle darin wohnenden und unten vorbeilaufenden ein gutes unterfangen. 

dienstag 30.1.07

gestern einen abendspaziergang gemacht durch das nähere quartier. die bilder im nächtlichen berlin sind anders, als die tageseindrücke. 
nicht etwa so geheimnisvoll wie zum beispiel in paris. dort waren hauptsächlich die türen und vorhanggeschlossenen fenster hell beleuchtet. 
hier in berlin kehrt sich das innenleben nach aussen. 
ich stand vor häuserzeilen, ganze fensterfronten und räume voll ausgeleuchtet. 
sie präsentierten sich wie geschwätzige weiber, deren worte alle hören müssen. 
einsicht bis in den hintersten winkel. 
leben in der nacht hinter glasscheiben
die restaurants, zum teil übervoll mit essenden und trinkenden menschen. 
sehr viele, weiss gestrichene galerien, mit schwarzgekleideten, herumstehenden und gläserhaltenden vernissagebesucher.
eine gasse weiter in einem zwar geschlossenen, aber hellbeleuchteten ausstellungsraum ein verwahrloster, vermutlich obdachloser mann. er lag langgestreckt auf dem boden wie eine umgefallene skulptur direkt im schaufenster und onanierte.
fünfzig meter weiter das restaurant „ständige vertretung“, die wände behangen mit fotos von politikern, aus der vergangenheit aber auch der neuzeit. 
auch das besetzt bis auf den letzten platz. 

mittwoch 31.1.07

er macht was er will
der wind 
er will verwirrung
da bin ich mir sicher
ansonsten liesse er mich
endlich machen 
was zu machen ich gerne würde
ich pflege zwar das wort 
hoffnung
auch für ihn
freue mich 
über die gesunden tage
lasse ungereimtheiten 
im abfalleimer landen
ärgere mich über sätze die zu überwinden wären
winde mich vor gesprächigen aufgaben 
und
träume
ein
wortloser höhenflug