dienstag 1.5.07

mein bruder, zwei schwägerinnen und neffe aus dem muotathal wieder abgreist. sie haben sich sehr schnell in berlin zurecht gefunden und ich vermute, wenn sie eine woche länger hätten bleiben können, würden sie sogar sesshaft werden.(!!!) 

mittwoch 2.5.07

im restaurant paris-moskau mit malva, christine und lucien himmlisch gespeist.
der kleine riegelbau hinter dem reichstag hatte 1945 als fast einziges gebäude in dieser umgebung den kampf unbeschädigt überstanden.
es wirkt heute wie ein fremdling neben dem bahnhof neubau, kanzleramt, loebehaus und reichstag.
die maueröffnung am 9. november 1989 überfüllte (laut erzählungen) völlig das einsame lokal in dieser denkwürdigen nacht mit feiernden gästen aus dem östlichen teil berlins.
paris-moskau ist bis heute der idee verpflichtet, das ganze berlin als den bindestrich zwischen ost und west zu sehen.

donnerstag 3.5.07

MITTENDRIN im alltag
stundenlang in der ALFREDKLAUSE
nur schnell mal zum KUMPELSTÜBCHEN
etwas vom MORGENDUFT erhaschen
zurück zu meinem PALÄSTCHEN
das oft zur KLAPSMÜHLE wird
LECK MICH du GOLDENER ESEL
das MORGENROT ist längst vorbei
die ALTE WELT hat keine gültigkeit mehr
SÜSS sah sie aus 
eigentlich wie ein ENGELCHEN
trotzdem sie sich ABGEDREHT hat
doch es treibt mir immer noch die MELANCHOLIE in die augen
ein ALIBI wird nötig sein
und ein WEINZIEL beim EISBEINWIRT
die STIEGE hinauf werde ich mit der wehenden SEIDENFAHNE laufen
die ROTE HARFE mitnehmen
und ein BLAUER ELEPHANT wird mich begleiten
vorher aber werde ich BROT UND BRÖTCHEN einpacken
und bestimmt genug BARES
DAZWISCHEN viel FEINEKOST geniessen
bis der WAHLKREIS geschlossen 
der
letzte MOCCA hinuntergekippt 
und es GANG UND GEBE ist 
dass ich die 
HÖFE AM SÜDSTERN
erblicke 
und 
im SPITZBOGEN kehrt mache

die grossgeschriebenen wörter sind namen von restaurants in berlin 

freitag 4.5.07

begegnungen am grunewaldsee

viele erwachsene 
zwei kinderwagen 
ein quischtvergnügtes mädchen von etwa 3 jahren 
und 
167 hunde

statt menschen schwammen hunde im see. 

samstag 5.5.07

ein artikel in der schweizerfamilie brachte mich doch recht aus der fassung.
der journalist reiste zu mir nach berlin, benötigte zwei arbeitstage, um diese unkorrekten sätze den leserinnen und leser vor die augen zu werfen.
ich werde es nie verstehen, dass es nicht selbstverständlich ist, sofern es gewünscht wird, dass die artikel welche den weg in die öffentlichkeit finden, nicht gegengelesen werden können.
der journalist sagte mir, dass ich ein misstrauischer mensch sei ( das werde ich in zukunft bestimmt sein).

1.uznach ist nicht im kanton schwyz, sondern im kanton st.gallen.
2.ich bin nicht die tochter eines strassenarbeiters, ich bin die tochter
eines strassenmeisters.
3.mein stipendiat von der zuger kulturstiftung landis & gyr ist nicht für
ein jahr, sondern für ein halbes jahr. 
4.die rütlischüler sind nicht lernbehinderte schüler, 
es sind lernunwillige.
5.dunkeltraurige fotografie? 

der letzte punkt ist ansichtsache, jedoch die anderen sind unwahrheiten. 

sonntag 6.5.07

wir besuchten den spargelhof elsholz in beelitz, denn fast jeder gemüsemarkt hier in berlin verkauft beelitzer spargel. 
auf dem feld arbeiteten männer in gebückter haltung bei hochsommerlichen temperaturen
es war der grüne spargel den sie stachen. 
ich erkundigte mich nach dem leben der spargel. 
sie hat kein leichtes.
man planzt sie an, lässt ihr sieben jahre zeit, um jedes jahr von mitte april bis anfangs juni ihr kleiner kopf aus der erde zu strecken und kaum sieht sie für ein paar stunden der blaue himmel, dann sticht ein stecheisen tief hinunter und schneidet sie von der mutterpflanze weg.
die ganz weissen kennen das wort sonne und blauer himmel nicht,.die werden zugedeckt und morgens hebt der spargelstecher die lacken hoch und schaut nach, welche spargel es wagt den kopf aus der erde zu strecken, denn dann ist ihr leben in der erde zu ende.
die grünen haben da mehr freiheiten. sie wachsen, werden auch nicht gedeckt und erfreuen sich an ihrem umfeld, bis sie gross genug sind..
nach sieben jahren wird das feld geräumt, denn die monokultur bekommt der spargel nicht . 

auch die arbeit ist eine nicht einfache. jeder spargel muss sorgfälig ausgestochen und sofort zugedeckt werden. sobald der korb voll ist, kommt spargel für spargel auf ein förderband, wo er gewaschen und geschnitten wird. hinter der schneidemaschine sortieren schnelle hände und gute augen den spargel nach grösse in bereitgestellte behältern.
dünne, mittlere, kurze, scheeweisse, dicke, grüne, perlmutterfarbene, lange, violette so präsentieren sie sich den.besuchern
nicht umsost wird der spargel auch essbares elfenbein genannt 

montag 7.5.07

„auf einer langen wanderung durch den stadtwald, sah ich endlich irgendwo einen liegen, der mir den eindruck machte, 
dass er denke. ich trat näher, da war es ein baum“.
ludwig hohl

ich sah im theaterdiscounter gleich um die ecke, ein projekt der kraut_produktion. 

Ludwig.Hohl.
Vorläufig.
Endgültige.
Fassung.

ludwig hohl geboren in netstal glarus, war ein schriftsteller, anarchischer sisyphus und archivar. er war ein geistiger wiederkäuer.
das war ein grosses element in der vorführung. immer wiederkehrende gedankengänge einer urkomischen realitätsbewältigng.
das stück blieb mir fremd bis auf ganz wenige sätze. vielleicht auch darum, weil das gesagte meistens mit grosser lautstärke ins publikum geschrien wurde. 
warum wohl muss bei der jungen generation von regisseurinnen und regisseuren alles so laut sein?. 

dienstag 8.5.07

verblühter tag
nichts tun
tut dem tun 
nicht gut
nicht getan
wird beim
nichts tun
zu verdorrtem tun 

mittwoch 9.5.07

im „haus der begegnungen“ an einer gedenkausstellung zum 15. todestag der marlene dietrich. allen zeitungen war es eine meldung wert, den tag zu erwähnen..
über eine grosszügige einfahrt gelangte ich in einen garten, mit viel zurechtgestutzten buchs, ordentlich angelegten steinen und perfekt geschnittenem rasen und einem modernen gebäude.
„raum für gefühl, vertrauen durch kompetenz“ hiess es am eingang.
eine überaus freundlich lächelnde dame fragte nach meinen wünschen. ich staunte wohl etwas über ihre frage, denn ich nahm an, hier besucht man ausschliesslich die ausstellung.
rechts und links hingen fotos mit beschriftungen über die damalige beerdigung, welche mich fast an ein staatsbegräbnis denken liess. 
am ausgang lagen eine menge prospekte. auch die wieder sauber und druchdacht wie der garten mit kostbarem papier. 
auf jeder seite ein poetisches postkartenbild und aufgelistet, wie man seinen persönlichen hinschied gestalten kann. vom exclusiven blumengebinde, grossen und kleinen räumlichkeiten, live übertragungen, video- und audioübertragungstechnik, einsatz von trauerrednern, bis zur bewirtung der gehobensten klasse, wird für den verstorbenen alles geboten.
auch zum thema erbrecht wissen sie die passende lösung.
das unternehmen hat bis heute über 2,5 millionen bestattungen durchgeführt.

eine strasse weiter, ein grosses schwarzes schild an einem fenster „discounter bestattungen“. 

donnerstag 10.5.07

chez maurice
auf dem weg zum chez maurice fragten wir den busfahrer nach der haltestelle bötzowstrasse, er schaute uns ratlos an und sagte, dass er eine solche station nicht kenne. wir fuhren trotzdem mit dem bus weiter und nach einigen haltestellen stand an der tafel bötzowstrasse.
vielleicht lag es an unserer aussprache, (offensichtlich haben wir die berlinerschnelligkeit noch nicht angenommen) dass er uns nicht verstand, vielleicht wusste er nur von einer bötzo(w)strasse, denn die berliner verschlucken einfach die endsilbe w, wie trepto, statt treptow, oder panko statt pankow.

im restaurant bekamen wir den zweitbesten tisch, den besten sei für angela merkel reserviert, scherzte die kellnerin. ein lieblingslokal der kanzlerin mit blick auf ein kachelbild mit fischmotiven.
wir fragten dann, wann frau merkel das letzte mal hier gewesen sei. im november 06 lautete die antwort. 
so beschlossen wir, ganz auf der linie der kanzlerin zu bleiben und ihre leibspeise zu essen. boudin noir mit kartoffelstock, dazu einen roten wein, die blutwurst war rabenscharz, zur sicherheit fragten wir, ob wir die schwarze kruste auch essen können, die kellnerin strahlte und bejahte.
es schmeckte etwas deftig, ungewohnt und dennoch vorzüglich. zu später stunde wurde angela merkels lieblingstisch doch noch besetzt, leider ohne sie. 

freitag 11.5.07

am nachmittag kam elektronische post von gian gadient. 
bilder aus unserem garten in der schweiz. 
wild sieht er aus, aber das wurde er in den letzten jahren immer mehr und war auch ein oft wiederkehrender ansichtsstreit zwischen meinem mann und mir. 
jetzt aus der ferne fand ich es ganz reizvoll, so viel wildes und anderes zu sehen. 
die feigen haben bereits eine beachtliche grösse, der zwetschgenbaum eine erfreuliche fülle, ich sah tieforangefarbene ringelblumen inclusiv biene und das bereits hochgewachsene schilf. 
meine geliebten reben sind trotz dem radikalschnitt vom dezember füllig, mit gesunden blättern und voll behangen mit winzigen traubenbeeren. das gras scheint mit den reben schritt zu halten.
ich vermute mit einer fast traurigen befürchtung, dass der garten mich nicht im geringsten vermisst.
im gegenteil. 
endlich kann er in aller ruhe, ungestört seiner bestimmung nachkommen. 

samstag 12.5.07

detlev-rohwedder-haus, das heutige finanzministerium.
herr jäger empfing uns und teilte uns mit, dass frau grüning etwas später käme. er führte uns in die grosse eingangshalle, wo dann auch frau grüning zu uns stiess. 
herzlich, spontan und ich fühlte mich sofort wohl. 
sie zeigte uns mit herr jäger zusammen das wunderschöne haus, welches 1935/36 erbaut wurde.der bau ist einmalig in seiner schlichtheit und doch mit einem ungeheurem reichtum. ich weiss nicht mehr wieviele stein- und marmorarten (muss herr jäger nochmals fragen) eingebaut wurden. es gibt 2100 innenräume, welche über 6.8 km gänge miteinander verbunden sind. 
die gänge sind wie die ewigkeit... unendlich. wenn an einem ende jemand durchgeht und ich stehe am andern, sehe ich nur einen punkt, wenn überhaupt.
wir stiegen auf das dach, die rundsicht grandios, nur hat hier niemand zeit da oben zu stehen, wir sahen diverse innenhöfe, sahen balkone, bei einer türeinfassung ein motiv von zwei versteinerten schnecken, der vorplatz des herrn ministers und der grosse ehrensaal .
das haus wurde vom architekten sagebiel erbaut und war ein prestigebau des nationalsozialistischen regims. es war das machtzentrum hermann görings.

sonntag 13.5.07

freiheit, denkt der mensch und schluckt die dicksten buchstaben
liebe, sagt der mensch und hüpft über glasscherben
sonne, wünscht der mensch und träumt von der nacht 

montag 14.5.07

die kommisionsmitglieder der uznacher kunsttage besuchten uns in berlin
12 personen für drei tage

erster tag
sie kamen pünktlich um 9.30h 
alle hatten sie freude über das wiedersehen.
wir machten einen rundgang auguststrasse, hamburgerstrasse, hackeschen höfe, 
mittagshalt im rocco, neben dem dante, weiter auf den alexanderplatz, fernsehturm, museumsinsel, gendarmen markt, lafayette und mit „letzter kraft“ ins hotel adlon. 
cafepause.
brandenburgertor, mahnmal, regierungsviertel, schweizer botschaft, neuer bahnhof und über die reinhardtstrasse, tacheleshof ins hotel.


zweiter tag
fototime im hof vom tacheles.
anschliessend eine ringfahrt mit der s-bahn um ganz berlin. 
später im hamburger bahnhof die ausstellung „schmerz“ versucht aufzunehmen. zum teil sehr interessant, die kämmende frau, von marina abramovic, löste schaudern aus, oder die video intallation von bill viola, eine ungeheuer konzentrierte gesichter-mimik darstellung. 
der besucher musste sich selber vorstellen, was diese menschen mit schmerzgefüllten augen und verzerrten gesicht sahen. 
jedes gesicht ein eigener schmerz.
der letzte teil in der flicksammlung der zeitgenössischen kunst. lässt mich frieren, vor so viel entsetzlichem. 
um 18.30 apero an der auguststrasse.
fast ein melancholisches anblick, die mit uznacher menschen gefüllte wohnung

dritter tag
alle mehr oder weniger wohlauf.
nochmals fototime im hof vom tacheles
rundgang beim check point charlie, gropiusbau, potsdammerplatz, ganz wenig muttertag, dann zum alexanderplatz und eine schifffahrt auf der spree.
gemeinsames nachtessen im restaurant käfer mit vorheriger besichtigung der kuppel auf dem reichstagsgebäude.
mitternachtstrunk im „ständige vertretung“

vielleicht fällt die heimreise durch diesen besuch doch leichter. 

dienstag 15.5.07

viel erlebt, noch mehr gedacht, versucht die fülle auszuhalten. 

mittwoch 16.5.07

eingeladen in der botschaft
erstaunt über die alten bilder
tellskappelle 
blüemlisalp
gesprochen mit dem botschafter
auch mit dessen frau
platziert am baslertisch
der leer blieb
gegessen am bernertisch
literaten rechts und links
das essen vorzüglich 
der dessert ein schoggitraum
verabschiedung vor mitternacht
und
schlecht geschlafen 

donnerstag 17.5.07

meine oase, oder eine meiner diversen...

freitag 18.5.07

wir machten eine einzigartige kahnfahrt in schlepzig im spreewald. 
ein gondolieri gleitet und stakte das boot durch das biosphärenreservat. 
tschungel, seerosen zu hunderten, subtropische pflanzen, gelbe und blaue irisse, noch nie gesehene schmetterlinge, bäume, schlanke, dicke, alte, neu geborene und immer wieder kanäle, dreihundert insgesamt.
ein orchester von vögeln, wir die einzigen zuhörer, der kuckuck im schlepptau, der pirol mit seinem charakteristischen ruf, das immer wiederkehrende und flötende didlioh, dann der specht, reiher, storch, sogar eisvögel, fischadler, seeadler und noch viel mehr. ansonsten nur hin und wieder das rascheln eines baumes, wenn der fährmann nicht rechtzeitig den kopf einzog.

eine tief empfundene ruhe, mit allem und nichts. 

unser freund roger wurde vater von felix
unsere freundin annemarie musste sich einer schweren operation unterziehen.
gegensätze von grosser freude und grossem leid

samstag 19.5.07

der sommer ist zurück.
die touristen auch.

sonntag 20.5.07

oper als show
jules massenets "manon" mit anna netrebko und rolando villazon in der staatsoper berlin 
für 30'000 zuhörer war es ein open air der besonderen art. die oper wurde direkt von der bühne auf den bebelplatz übertragen.die kulisse, die ambiance war eine ganz spezielle. eine riesenleinwand vor der alten bibliothek, eingebettet mit der st.hedwig kathedrale, der staatsoper und der humboldt universität. 
die stimmung einzigartig, die akustik grossartig. 

montag 21.5.07

war in der schorfheide und ich erwartete heidelandschaft, ähnlich der lüneburgerheide.
ich traf an, wald, wald, immer wieder seen und auch einige dörfer ohne jede reklame. 
häuschen an häuschen, heile welt mit zugezogenen vorhängen. 
das joachimsthal eine gegend der fremdheit, fühlte mich nicht wohl in diesen unendlichen wäldern. 
in einem restaurant glace gegessen, die wirtin erkärte mir, dass ich auf den wasserturm sollte.
als ich auf den turm zulief, hörte ich in der grossen stille eine monotone stimme sprechen. jemand gab eine englischsprechende pressekonferenz.
vom turm aus sah ich einen mann, der auf dem riesengrossen acker arbeitete.
auf einem plakat las ich dann, dass ein schauspieler einen monat lang, jeden tag 10 stunden seine rolle als bauer spiele. er steckt kartoffel um kartoffel in die erde, stunde für stunde und spricht kein wort deutsch. 
performence. 

dienstag 22.5.07

hinter mir ein fotoshooting der besonderen art. vor mir eine serie negative, welche ich nun verarbeiten kann.
ich war recht angespannt und wurde es zusehends noch mehr, ja näher die zeit auf 14h rückte. hoffte auf ausgeglichenes licht, keine pralle sonne, aber auch kein dunkler himmel.
hoffte, dass der deutsche finanzminister peer steinbrück mit guter laune daherkommt, dass sein zeitdruck sich nicht bemerkbar macht und er nicht ungeduldig sein würde. 
dann war alles wieder mal ganz anders.
empfangen hat uns wie das erste mal herr martin jäger, freundlich und hilfsbereit. ich brachte die büchsen auf den balkon, wägte die distanzen ab, die möglichen schatteneinflüsse und fing an, einige büchsen
zu platzieren.
der himmel sah immer noch ausgeglichen mir entgegen.
pünktlich um 14h erschienen durch die hochgezogenen türen zwei bodyguards, ein aufgeräumter peer steinbrück, frau ingeburg güning und frau ulrike abratis. 
kurzes vorstellen, dann ein versuch für das erste bild. 
der minister wollte anfänglich partout nicht ruhig sein, er winkte leuten auf der strasse und genoss es sichtlich, einmal da auf dem balkon zu stehen.
ich wurde plötzlich sehr ruhig, ich wollte ein gutes bild machen, nur ein gutes und kein anderes. von da an ging es so, wie es eben gehen muss. 
die atmosphäre wurde lockerer, die boodygards warteten im saal. 
ich fotografierte diverse male den minister allein, dann ihn mit den zwei frauen, machte eine doppelbelichtung, eine gegenbelichtung und leider hatte ich recht schnell keine büchsen mehr.
kurze konversation, wobei das tempo des wortgewaltigen peer steinbrück mich eher in die büchse zurück drängte und ich mich eigentlich verabschieden wollte. 
doch da kam der vorschlag, bei ihm im büro noch café zu trinken und er mir dann auf meine fragen auch geich antworten könnte.
frau grüning meinte, dass der zeitpunkt gut sei, um die fragen persönlich zu stellen und so sass ich dann mit dem finanzminister zusammen an einem tisch und vergass vollkommen, mich im büro des grossen mannes umzusehen. 
auch da wieder kurze konversation, diverse fragen über das innehalten, stillsein, pausen einlegen. ich hätte mich gerne noch ein weilchen dort aufgehalten, zumal meine innere stabilität sich wieder bemerkbar machte, doch die zeit war mehr als um. 
die eigentliche entspannung kam jedoch erst, als ich die ersten bilder entwickelt hatte. 

mittwoch 23.5.07

ja, und woran denkt nun ein finanzminister beim fotoshooting „vor der kaffee-büchse“?
ans geld?
oder an die büchse?
sagen wir mal: natürlich ans geld. 
in der büchse. 

donnerstag 24.5.07

bin übel beschäftigt....

freitag 25.5.07

erste eindrücke beim siebdruck

samstag 26.5.07

war den ganzen tag beim siebdruck. müde von arbeiten und fasziniert von neuen möglichkeiten.
bin zwar keineswegs überzeugt, von dieser art umsetzung der bilder, denn sie sind mir zu alltäglich, zu grafisch und zu wenig nuanciert.
aber ich denke, wenn ich einige zeit mit dieser materie leben und arbeiten könnte, würden ganz neue möglichkeiten entstehen. 

pfingstsonntag 27.5.07

ein gewitter wie ich es hier noch nie erlebt habe. eine weisse wand, der fernsehturm nicht mehr sichtbar, die kuppel der jüdischen synagoge nur noch eine ahnung wie durch zehn schleier, senkrecht der staub der heissen tage, der baum im hof in schieflage, menschenleer das immer bevölkerte trottoir.
unheimlich und doch befreiend

um 21 h der spuck vorbei.
machten uns auf, einen besuch zu machen bei der matterhorn bar. auf dem ostbahnhof gehetzte stimmung. menschen kopf an kopf. ich glaube die züge fuhren nur noch zum teil. wir liefen dann zur bar. die bar liegt an der spree hinter einem gartenzaun.
überall herumliegende äste, und unrat, das gehupe der feuerwehr aus allen richtungen.
bei der bar die beleuchtung abgestellt, die stühle angelehnt und ein junger mann versuchte ordnung zu machen.
ein zweiter, sehr schwarzer mann kam unter der kulisse des matterhorns hervor und sagte, dass die bar wegen dem unwetter geschlossen sei. 
schön zu wissen, dass auch ein schwarzafrikaner in bedrohlichen wettersituationen das weisse matterhorn bedienen kann. 

pfingstmontag 28.5.07

am pfingstsonntag, einen tag zuvor und einen danach gehören die strassen in kreuzberg den tänzern, sängern und strassenkünstlern. 
karneval der kulturen heisst das grandiose fest. 
über 80 verschiedene nationen beleben die strassen bis tief in die nacht 
seit jahren machen sich etwa 4'000 -5'000 menschen an die arbeit, um etwas auf die beine zu stellen.
"etwas grosses, nervenaufreibendes, und am ende wunderbares", hiess es auf inseraten. sie hatten recht 
es war die begeisterung der laien, eine begeisterung der unterschiedlichsten menschen.
da tanzte eine gruppe junger mädchen aus bolivien, mit langen, schweren zöpfen in der tracht ihres landes, wobei ich vermute, dass die länge der röcke sich den deutschen karnevalstänzerinnen angepasst haben. alle trugen grüne und rote samtschuhe, mit hohen absätzen, respektive nicht mehr alle. ein teil dieser jungen frauen lief barfuss. 
am ende der gruppe kam eine alte frau mit einem kinderwagen.
bestimmt war sie die grossmutter eines mädchens und sie wusste wohl um die schmerzen der tanzenden füsse.
aus dem kinderwagen türmten sich grüne und rote schuhe. 

dienstag 29.5.07

„ums wasser“ so hiess eine prozession im muotathal, oder heisst vermutlich immer noch so. 
jeweils anfangs sommer wurde dieser tag von der kirche aus begangen, damit das tal von hagel, blitz und sonstigen unwettern verschont bliebe. bei der kirche stellte man sich in reih und glied, am anfang des zuges die geistlichkeit, dann die messdiener, der siegrist und in zweierreihen die betenden (oder auch herumschauenden) jungen und alten leute. 
es ging sonnenseitig links von der muota ins hinterthal und auf der andern seite wieder zurück. auf diesem weg begegneten mir unterschiedliche gebäude. zuerst das frauenkloster, das neue schulhaus, (damals noch neu), dann das restaurant schwert, das haus meiner grossmutter und das restaurant schlüssel. nach der hinteren brücke kam schlag auf schlag ein restaurant nach dem andern, das rössli, sonne, tell, bödeli, sternen und heiriwisis, krone, post, alpenrsöli, konditors und schäfli. nach der kirchenbrücke mein elternhaus, das alte schulhaus, schützenhaus, und nach dem hirschen war der kreis dann geschlossen, wir waren wieder bei der kirche. 
hier in berlin mache ich ebenso, nur öfters einen spaziergang „ums wasser“
an der spree entlang zum montbijoupark, spree palais, dom, schlossplatz, zeughaus, dann einbiegen zur museumsinsel, vorbei am alten und neuen museum, weiter zum pergamon, gegenüber der wohnsitz von angela merkel, bodemuseum, jüdische synagoge zum tachelesgebäude und in die auguststrasse.
im winter begegnete mir selten jemand. die stille am wassers liess mich immer ganz verwundert diesen weg gehen, denn die monumentalen gebäude wirkten eher wie vereinsamte, vergessene geschichten. 
jetzt um diese jahreszeit ist der zug der spazierenden gross geworden und keineswegs so diszipliniert wie damals im muotathal. doch sehe ich paralellen mit diesen so unterschiedlichen wegen „ums wasser“. 
vielleicht auch einfach der gedanke „wasser“ 

mittwoch 30.5.07

auf dem dach der schweizerbotschaft.
botschafter hr.christian blickenstorfer stellt sich vor die camera obscura

donnerstag 31.5.07

letzthin besuchte ich eine vernissage bei „fruehsorge“ und dort begegnete ich „eva & adele“. ich war so hingerissen von diesen zwei geschöpfen, dass mir wohl die sprache abhanden kam.
zu hause suchte ich dann auf dem internet nach ihren adressen, jedoch erfolglos.
ich wollte liebend gerne die zwei aussergewöhnlichen persönlichkeiten fotografieren.
es sind zwei weibliche wesen oder geben sich weiblich, tragen dieselben pinkfarbigen, sehr elegante kleider, dieselben hochhackigen schuhe und taschen. von den kleidern bis ins kleinste detail alles identisch. beide haben eine glatze, und kunstvoll geschminkte gesichter und doch unterscheiden sie sich von grösse und ausstrahlung.
ich schrieb dann an ihre persönliche galerie, fragte nach adresse, website und e-mail und der galerist schickte mir nach einigen tagen die nötigen informationen.
umgehend schrieb ich an die zwei damen, die mir wiederum sofort antworteten. wieso sie sich von mir portraitieren lassen sollten, das möchten alle andern auch und was es ihnen letztendlich bringen würde?

ich schrieb ihnen die sicht für meine recht zwingenden gründe, meine motivation und siehe da, ende juli wollten sie mit mir einen termin vereinbaren, doch was ist ende juli.
ich bin nicht mehr in berlin.